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Ein voller Erfolg auf 2656 Meter Höhe: das Integrationsprojekt Gipfelglück

VeranstaltungPosted by Evelin 11 Sep, 2018 21:59
Mit vollgepackten Rucksäcken brach am 17. August eine bunte Gruppe aus 18 jungen Steinheimern und Geflüchteten aus Irak, Afghanistan und Syrien zu ihrer Bergtour in die Allgäuer Alpen auf. – Auf der Rückfahrt zwei Tage später hatten sie noch unendlich viel mehr im Gepäck: Berge voller positiver Erinnerungen und Erfahrungen, Mut und Zuversicht, Motivation, Vertrauen und neue Freundschaften.

Vor dem Aufstieg zur ersten Station, der Kemptner Hütte, klärte Myriam Kopp, die Initiatorin des Projekts, über Verhaltensregeln und Sicherheitsgefahren in den Bergen auf. Dann nahm man voller Euphorie die 850 Höhenmeter in Angriff – für unerfahrene Bergwanderer alles andere als ein Spaziergang. Beim Abendessen in der Hütte waren die Strapazen rasch vergessen. Doch die Speisekarte gab Rätsel auf: Was bitte sind Schlutzkrapfen und Leberkäs?



Bereits um 6 Uhr am nächsten Tag stand eine fröhliche Gruppe in ihren Wanderstiefeln bereit für die Besteigung des Großen Krottenkopfs, des höchsten Bergs der Allgäuer Alpen. Ausgesetzte Stellen, viel Geröll und Kletterei – für Ungeübte ein hartes Stück Arbeit. Würden es alle schaffen? Obwohl es gleich steil bergauf Richtung Mädelejoch ging, waren alle bester Laune, es wurde viel gelacht und eine Gruppe Gämsen sorgte für Begeisterung.

Der steile, geröllige Anstieg zur Krottenkopfscharte erfordert körperliche Fitness, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, weshalb drei Teilnehmer mit einem Betreuer zur Kemptner Hütte zurückgingen. Die übrige Gruppe kletterte auf Händen und Füßen an Eisenbügeln weiter aufwärts, immer ein stärkerer mit einem schwächeren Teilnehmer, um sich gegenseitig zu helfen – ganz egal, ob Mann oder Frau, Steinheimer oder Geflüchteter. Die Aussicht von der Scharte war überwältigend. Doch beim Blick hinauf zum Großen Krottenkopf kamen dem ein oder anderen Gipfelstürmer dann doch Bedenken: „Gehen wir da wirklich hoch? Man sieht ja überhaupt keinen Weg!“ Konzentriert kletterte man weiter, hangelte sich einen schmalen Grat entlang – und stand schließlich auf dem Gipfel in 2656 Meter Höhe.



Es war ein erhabener Augenblick – pures Gipfelglück. Ehrfürchtig trugen sich die Teilnehmer ins Gipfelbuch ein und legten den mitgebrachten Gipfelglück-Stein am Kreuz ab. Der Abstieg war mindestens so beschwerlich wie der Aufstieg. Myriam Kopp: „Keiner rutschte aus, keiner fiel hin, keiner bekam einen Stein ab und mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hatte stellenweise schon Angst und war ziemlich angespannt. Schließlich hatte ich für die Gruppe Verantwortung.“



Am nächsten Morgen marschierte man von der Hütte zurück zum Bahnhof Oberstdorf. Ein Teilnehmer trug kurz entschlossen zwei Rucksäcke, weil eine junge Frau sich eine Oberschenkelzerrung zugezogen und starke Schmerzen hatte. „So viel Fürsorge und ein so tolles Miteinander habe ich selten gesehen. Die besonders Ängstlichen liefen weite Strecken Hand in Hand. Jeder achtete auf den anderen, an jeder schwierigen Stelle half man einander“, so Myriam Kopp.


Für die Multikulti-Wandertruppe ging eine Tour zu Ende, auf der sich alle blendend verstanden und jede Menge Spaß miteinander hatten. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel gelacht“ und „Wir sind alle wie eine große Familie“, so die Resümees zweier Teilnehmer.

Die Kosten des Projekts, wie Fahrtkosten, Verpflegung und Übernachtung, wurden durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft getragen. Eine Investition, die sich ausgezahlt hat – für Integration und mehr Verständnis zwischen Einheimischen und Geflüchteten.

Weitere Infos zur Tour auf www.puls-der-freiheit.de

Autorin: Angelika Lenz



















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